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Autochthone Rebsorten in Spanien

Spanien ist ein Ort der ganz besonderen Rebsorten - wir stellen Ihnen einige unserer Favoriten vor!

Veröffentlicht am 03. März 2020

Wussten Sie, dass es auf der Welt rund 10.000 unterschiedliche Rebsorten gibt? Nur wenige von ihnen wurden kultiviert und noch weniger sind im Weinhandel präsent. Vielen Weinliebhabern fällt es schwer, spontan mehr als zehn verschiedene Rebsorten zu nennen. Das ist kein Wunder, denn in den letzten Jahrzehnten hat sich gerade einmal eine Handvoll von Sorten weltweit ausgebreitet. Dazu gehören Cabernet Sauvignon und Merlot, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Doch auch der Tempranillo und die Garnacha, diese urspanischen Rebsorten, gehören zu den weltweit erfolgreichen Sorten.

Umso wichtiger ist es für viele Weinliebhaber und auch Erzeuger, dieser Vereinheitlichung etwas entgegenzusetzen. Und Spanien ist dabei besonders erfolgreich. Die international vorherrschenden Sorten haben in Spanien nie eine hohe Verbreitung gehabt. Denn Spanien verfügt über einen großen Schatz: Rund 600 unterschiedliche Sorten gibt es auf der Iberischen Halbinsel.

Urspanisch und rot: Tempranillo, Garnacha und andere

Viele Rebsorten sind im Laufe der letzten Jahrtausende durch Zufall entstanden. Rebsorten, deren Eigenschaften besonders gut zu einem spezifischen Klima oder Bodentyp passten, setzten sich regional durch. Manche Rebsorten sind dabei sehr wählerisch und erbringen nur unter bestimmten Voraussetzungen sehr gute Ergebnisse. Andere, wie etwa die Garnacha oder der Tempranillo, sind genügsamer, weshalb sie auch an unterschiedlichen Orten vorkommen. Trotzdem sind auch diese Rebsorten Terroir-Übersetzer. Das heißt, dass sie sich je nach Bodentyp und Klima immer wieder anders präsentieren. Ein Tempranillo beispielsweise, der von den kalkigen Böden der recht hoch gelegenen Rioja Alta stammt, wirkt viel straffer, rotbeeriger und druckvoller als ein Tempranillo aus Toro. Denn in dieser Region sorgt das Klima dafür, dass sich der Tempranillo, der dort Tinta de Toro genannt wird und sich in seinem Wuchs über Jahrhunderte hinweg den speziellen Bedingungen angepasst hat, konzentrierter und viel dunkler sowie tanninreicher präsentiert.

Ähnlich ist es bei der Garnacha. Manche reinsortigen Garnacha-Weine aus der Gegend von Madrid sind so hell wie Rosé-Wein, da die dort übliche Variante nur wenig Farbstoff in ihren Beerenhäuten aufweist. Garnacha aus dem Priorat ist dagegen viel dunkler und farbintensiver. Faszinierend und komplex können beide Varianten sein. Neben Garnacha und Tempranillo gibt es jedoch andere Rebsorten, die von Spanien aus die Welt erobert haben. Dazu gehört zum Beispiel der Monastrell aus der Gegend von Valencia und Alicante, der weltweit als Mourvèdre bekannt ist. Auch die Cariñena, in Frankreich Carignan genannt, ist eine dieser Rebsorten, die gleichsam zu Exportschlagern geworden ist. Einige der schönsten Rebsorten aber finden sich nach wie vor nur in ihrer Heimat Spanien.

Garnacha ergibt herrlich fruchtige und samtig-weiche Weine

Albariño wird aufgrund ihres edlen Charakters oft mit dem Riesling verglichen

Mencía ist ein Teil des spanischen Weinwunders

Die Wiederentdeckten

Es gilt also, die nur regional vorkommenden Rebsorten zu finden oder sie wieder zu entdecken. Eine dieser Sorten ist die Mencía aus Galicien. Diese dunkle, würzige, konzentrierte und doch frische und elegante Sorte hat in den letzten zwei Jahrzehnten für Furore gesorgt. Tatsächlich war sie vorher fast vergessen, bis sich einige begnadete Weinmacher ihrer angenommen haben. Ein ebensolches Potential dürfte der wiederentdeckte Prieto Picudo besitzen. Auch die auf Mallorca begrenzten und dort entstandenen Sorten Callet, Fogoneu und Manto Negro sind seit den 1980er Jahren immer bekannter geworden. Dass man aus Rebsorten, die lange Zeit nur für den Massenanbau Verwendung fanden, mit dem richtigen Händchen auch großartige Weine formen kann, zeigen Winzer rund um Valencia mit der Sorte Bobal. Wussten Sie, dass Bobal die am dritthäufigsten angebaute Sorte in Spanien ist? Tatsächlich wurde sie lange Zeit ausschließlich für Massenware genutzt. Heute aber entstehen aus ihr tiefdunkle, kräuterwürzige und charakterstarke Weine mit runden Tanninen, frischer Säure und vergleichsweise wenig Alkohol. Das macht diese Sorte auch als Basis für Rosados attraktiv.

Der Aufstieg der weißen Sorten

Ob die weiße Airén ein ebensolches Potential besitzt wie die rote Bobal? Zumindest üben auch bei ihr mittlerweile viele Winzer den Schwenk vom Massenanbau zur Qualitätsweinerzeugung. Der große Vorteil ist, dass die Airén aufgrund ihres massenhaften Anbaus auf der Hochebene der Meseta – es sind rund 200.000 Hektar kultiviert – oft in sehr alten Weinbergen steht, deren Reben einen durchaus komplexen Saft liefern können. Über alle Zweifel erhaben sind dagegen Albariño, Verdejo und Godello. Diese drei weißen Sorten stehen für den Aufstieg Spaniens als Weißweinland. Es begann mit dem Albariño, der in den Rías Baixas im Norden des Landes nah an der Grenze zu Portugal wächst. Lange dachte man, die Sorte sei mit dem Riesling verwandt und mit Mönchen nach Spanien gekommen. Daher hat man sie auch "alba riño", die Weiße vom Rhein, genannt. Doch tatsächlich ist die Sorte irgendwann im spanisch-portugiesischen Grenzgebiet entstanden und liefert dort in beiden Ländern entweder ganz leichte, frische Weine, aber auch komplexe, fruchtbetonte Weine, die jedoch gleichfalls die Frische und Mineralität des nahe gelegenen Atlantiks in sich tragen. Der Aufstieg des Verdejo fand in der Rueda statt. Diese Region liegt unweit von Toro und Ribera del Duero in Castilla y León. Dort wurden über Jahrhunderte hinweg nur schwere, oft leicht süße und oxidierte Weine aus dieser Sorte erzeugt. Mit moderner Kellertechnik aber entwickelten Winzer ab den 1970ern eine neue Stilistik. Heute ist Verdejo aus der Rueda Spaniens Antwort auf den Sauvignon-Blanc-Boom. Beim Verdejo verbinden sich florale, kräuterwürzige und herbe grüne Noten mit Frische und Saftigkeit. Er hat mit seinen pikanten Bitternoten einen eigenen Charakter, durch den er sehr erfolgreich wurde. Der Godello schließlich wurde zur gleichen Zeit wiederentdeckt wie die rote Mencía. Das liegt daran, dass sie in den gleichen Regionen von Galicien, Valdeorras und Ribeira Sacra vorkommen. Godello ist vielleicht die eleganteste und burgundischste der wiederentdeckten Sorten.

Nischen sind besonders interessant

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr interessante und entdeckenswerte Rebsorten in diesem riesigen, dem mit 1,2 Millionen Hektar Rebfläche größten Weinland der Welt. Sie alle kommen jedoch nur regional vor, sorgen dort aber manchmal für viel Aufmerksamkeit. Und genau dieses Regionale macht es für Vinos, aber auch für unsere Kunden so spannend, immer wieder Neues zu entdecken. Dazu gehören die schon angesprochenen Rebsorten aus Mallorca, wo in den letzten Jahren noch weitere Sorten wiederentdeckt wurden. Neben den Weinen von den Balearen werden auch die Weine der Kanaren immer populärer, vor allem die aus Teneriffa: Die teils von sehr hoch gelegenen, extrem alten Weinbergen am Teide, dem höchsten Berg Spaniens, stammen. Dort wachsen beispielsweise Listán Blanco und Listán Negro, Gual, Marmajuelo oder Vijariego Negro. Dies sind Sorten, die nur Spezialisten bekannt sind, aus denen aber hervorragende und sehr frische, im besten Sinne atlantische Weine entstehen.
Hinzu kommen noch Sorten aus dem Penedès wie der Xarel·lo, der lange Zeit nur für die Cava-Produktion verwendet wurde, der aber auch exzellente Stillweine hervorbringt. Negramoll ist ebenfalls eine Sorte des Penedès, die uralt ist und heute wiederentdeckt wird.

Fazit

Sie alle sind Beispiele dafür, dass die Rebsorten besondere Klimata und Böden mögen und im perfekten Zusammenspiel der Bedingungen Weine hervorbringen, die ungewöhnlich, schön und einzigartig in ihrem Charakter sind. Nur wenige andere Länder bieten einen solchen Fundus an derart unterschiedlichen und spannenden Rebsorten wie Spanien. Sie haben España zu einem der beliebtesten Weinländer gemacht.