Wein als Medizin ?| Themenauswahl | ||
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Diese Seite und Kommentare wurden unter Zuhilfenahme und mit freundlicher Genehmigung von Dr.Med. Franz-Anselm Graf v.Ingelheim, aus dem Buch:Heilen und Vorbeugen mit Wein, Falken Taschenbuch-Verlag, ISBN 3-635-60311-2, entworfen.
So gesund und stimulierend ein mäßiger Weingenuß für den
Erwachsenen sein kann, so schädlich wirkt sich Alkohol auf
Kinder und Jugendliche aus. Besonders betroffen, weil schutzlos,
ist das Ungeborene. Babys können schon im Mutterleib geschädigt
werden. Während der Schwangerschaft sollte die Frau deshalb auf
Alkohol verzichten. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
kann zu geistigen und körperlichen Schäden beim Kind führen.
Auch für Kleinkinder sollte Alkohol grundsätzlich tabu sein.
Die Gehirnzellen eines Kindes reagieren auf Alkohol viel
empfindlicher als die eines Erwachsenen. Schon kleine Mengen
führen zum Drehschwindel, weil das Gleichgewicht gestört wird.
Dauerhafter Alkoholkonsum bei Kindern führt zu einer Störung im
Enzymsystem und Energiestoffwechsel und zu einer nachhaltigen
negativen Beeinflussung der körperlichen und geistigen
Entwicklung. Die Leber eines Kindes ist noch nicht auf den Abbau
von Alkohol eingerichtet. Wir raten auch davon ab, die Kinder
regelmäßig am Glas der Eltern mittrinken zu lassen oder ihnen
gar das Austrinken der Reste in den Gläsern zu gestatten.
Alkohol ist Gift für Kinder!
Jugendliche zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und vor allem mit Wein zu erziehen, ist sinnvoll. Erklären Sie Ihrem Sohn/Ihrer Tochter die kulturelle Bedeutung, die der Wein im Laufe seiner Geschichte erlangt hat, erklären Sie ihm/ ihr, wie Wein entsteht und daß er ein Naturprodukt ist. Lassen Sie Ihren Sohn/Ihre Tochter die ersten Alkoholerfahrungen nie allein machen, sondern demonstrieren Sie, daß gerade Wein ein alkoholisches Getränk ist, das in Gesellschaft und bei mäßigem Genuß positive Stimmungen und ein Wohlbefinden des gesamten Organismus bewirken kann.
Nur wer dem Wein mit liebevollem Respekt und in der Gewißheit gegenübertritt, bei mäßigem Konsum den höchsten Genuß zu erfahren, der wird sein Leben lang einen Weingenuß ohne Reue erleben. Wichtig ist, daß die Erwachsenen gerade hierbei den jungen Menschen Vorbild sind.
| Definition: 20 g (Frauen) bis 30 g (Männer) Weinalkohol täglich, das heißt 1 bis 3 Gläser maximal, bei vitalstoffreicher Vollwertkost (Obst, Gemüse, Eiweiß) | |
| Verdauungsorgane | Reflektorische Speichel-, Saft- und Fermentabsonderung; Appetitanregung; Säurelocker; Durchblutungsförderung; Erhöhung der Peristaltik; Resorptionsförderung |
| Herz-Kreislauf | Abfall des koronaren Gefäßwiderstandes; Anstieg des koronaren Blutflusses; Gefäßweitstellung; Verminderung des Sympathikusantriebs; Herabsetzung der Plättchenaggregation; Verringerung der Thromboseneigung; Erhöhung der fibrinolytischen Aktivität; Ökonomisierung der Herzarbeit; Herabsetzung des Sauerstoffbedarfs; Erhöhung der HDL-Konzentration; Herabsetzung der LDL-Konzentration |
| Atmung | Respiratorische Alkalose; Erhöhung von Atemzugvolumen, Blutzirkulation, Perfusion; Vasodilatation (Gefäßerweiterung); Steigerung der Immunabwehr (Bakterizide und viruzide Eigenschaften) |
| Bewegungsapparat | Anstieg der Knochendichte; Anregung des Calcium-Stoffwechsels; Vasodilatation (Gefäßerweiterung); Subjektive Zunahme der Muskelleistung |
| Haut | Anregung des Stoffwechsels; Lokale Entzündungshemmung; Förderung der Wundheilung; astringierende/blutstillende/bakterienhemmende/ bakterientötende/wundreinigende/ vernarbende Wirkung |
| Hormonsystem | Anregung von Schilddrüse, Nebenniere, Bauch speicheldrüse, Geschlechtsdrüsen; Erhöhung der Widerstandskraft (Infekte, Rheuma, Streß); Zunahme der allgemeinen Arbeitskapazität |
| Ableitende Harnwege/Nieren | Vasodilatation (Gefäßerweiterung); Steigerung des Harnflusses; Zunahme der Ausscheidung mit dem Urin (Harnstoff, Ammoniak, aber auch Mineralstoffe) |
| Immunsystem | Erhöhung der Entgiftungsfunktion (Toxine, Bakterien, Viren); Herabsetzung der Lebensfähigkeit von Mikroorganismen; Verringerung der Krebsmortalität; Erhöhung und Aktivitätssteigerung von Antioxidantien; Herabsetzung des Alterungsprozesses |
| Nervensystem | Vorbeugung des altersbedingten Abbaus von Gehirnfunktionen; Erhöhung der geistigen Frische; Herabsetzung des Alterungsprozesses; Erhöhung der geistigen Leistungskapazität; Zunahme des intellektuellen Leistungsstoßes; Kreativitäts-/Phantasiezunahme; Euphorisierung; Vasodilatation; Zunahme der Hirndurchblutung; Zunahme der Sauerstoffversorgung |
Während des Gärungsprozesses werden unter dem Einfluß von
Hefe-Enzymen die Zuckermoleküle zu Äthylalkohol abgebaut. Aus
dem Zucker entstehen aber auch Glyzerin, verschiedene Säuren,
höhere Alkohole, Aldehyde und Ester. Alle diese Substanzen sind
Stoffwechselprodukte der Hefe. Zum Aufbau ihrer Zellsubstanz
entnehmen sie dem Most unter anderem Zucker, Aminosäuren,
Mineralstoffe und Vitamine. Es liegt nahe, die Hefe ebenfalls als
Gärungs-Nebenprodukt aufzufassen.
Nach vollständigem Eindampfen des Weines bleibt sein Extrakt
übrig. Das sind der Zucker, das Glyzerin, die nichtflüchtigen
Säuren, die Mineral-, Gerb- und Farbstoffe, die
stickstoffverbindungen und die höheren Alkohole. Der Extrakt ist
ein relatives Maß für die Güte des Weines; extraktarme Weine
sind "dünn". Der Extraktgehalt deutscher Weine liegt
meist zwischen 20 und 30 Gramm pro Liter. Bei 10 Prozent aller
Weine liegt er unter 20 Gramm pro Liter. Rotweine sind in der
Regel extraktreicher als Weißweine.
Auf den ersten Blick sieht die Zusammensetzung des Weines recht
"nüchtern" aus. Aber hinter den einzelnen
Inhaltsstoffen verbergen sich teilweise kleine Powerpakete. Sie
bewirken letztendlich die positiven Aspekte des Weingenusses.
| Ein Liter Wein enthält im Durchschnitt: | |
| 800-900 g | Wasser |
| 20-30 g | Glukose und Fruktose |
| 5-10 g | Glyzerin |
| 6-12 g | verschiedene organische Säuren |
| 60-100 g | Äthylalkohol |
| einige Gramm | Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen |
| verschiedene Gärrückstände der Weinherstellung | |
Mit seinem relativ hohen Alkoholgehalt stellt Wein im Prinzip eine gute Nährstoffquelle für den menschlichen Organismus dar. Aber Vorsicht! Wein kann im strengen Sinne nicht als Nahrungsmittel betrachtet werden. Er sollte immer nur eine ausgewogene Ernährung gesundheitsfördernd unterstützen und ergänzen, sozusagen als Würze unserer Ernährung!
Ein Gramm Alkohol besitzt einen Brennwert von 7 Kalorien (30 Joule). 10 Prozent Alkohol in einem Liter Wein haben einen Nährwert von 560 Kalorien (2344 Joule). Zusätzlich ist der Nährwert des Weinextraktes bei einem trockenen Wein mit etwa 100 Kalorien (418 Joule) pro Liter in Rechnung zu stellen. Wer also täglich einen Liter trockenen Wein mit durchschnittlich l0 Prozent Alkohol trinkt, nimmt somit rund 660 Kalorien (2763 Joule) zu sich.
Dies ist eine Energiemenge, die in der täglichen Ernährungsbilanz nicht unberücksichtigt bleiben darf, denn sie entspricht demselben Energiegehalt wie 0,8 Liter Vollmilch, 300 Gramm Brot., 360 Gramm Fleisch oder vier Eiern.
Erschrecken Sie nicht: der Wein enthält Stoffe, deren Namen noch aus dem Chemieunterricht bekannt sind. Aber Natur ist letztendlich nichts anderes als Chemie, und die vielleicht für den einen oder anderen abschreckend klingenden Inhaltsstoffe des Weines haben durchaus ihre Berechtigung und vor allem ihren Nutzen im Zusammenspiel all dieser Substanzen.
Äthylalkohol entsteht bei der alkoholischen Gärung aus den beiden Zuckerarten Dextrose und Fruktose. Der von den Trauben gespeicherte Zucker kann je nach Rebsorte und klimatischen Bedingungen starken Schwankungen unterliegen. Der Gehalt an Äthylalkohol wird aus dem spezifischen Gewicht des Mostes bestimmt und in Oechsle-Graden angegeben. Äthylalkohol wirkt beispielsweise auf die Verdauungsorgane, das Herz-Kreislauf-System, die Atmung, den Stoffwechsel, das Hormonsystem, die Haut, die Muskulatur, das Immunsystem, das Zentralnervensystem, den passiven Bewegungsapparat und das Urogenitalsystem. Zu den Auswirkungen regelmäßigen Weinkonsums siehe auch Tabelle Seite 23/24.
Methylalkohol oder Methanol entsteht erst beim Stampfen der Trauben durch die Freisetzung von Pektinmethylesterasen aus den Fruchtzellwänden der Trauben. Rotweine enthalten mehr Methanol (60-260 mg pro Liter) als Weißweine (20-130 mg). Das Methanol wird immer durch das gleichzeitig vorhandene Äthanol neutralisiert und entgiftet.
Fuselöle ist der Sammelbegriff für sogenannte höhere Alkohole. Sie kommen allerdings nur in ganz geringen Spuren im Wein vor; so daß eigentlich keine Auswirkungen im Köper zu erwarten sind. Dennoch hängt die Bekömmlichkeit des Weines in erster Linie von der Art und der Konzentration dieser Alkohole ab. Sie entstehen vorwiegend bei der Vergärung von in der Traubenfrucht enthaltenen Aminosäurer1 und aus dem Zucker des Mostes. Es sind genau diese sogenannten höheren Alkohole, die zu den sortentypischen Geruchs- und Geschmackseigenschaften führen und das Aroma der einzelnen Traubensorten letztendlich bestimmen.
TIP
Höhere Alkohole verlängern die Verweildauer von
Athylalkohol im Körper. Daraus erklärt sich auch, warum in der
Regel leichte, also auch alkoholarme Weine besser vertragen
werden als alkoholreiche schwere Weine.
Empfehlung (Kliewe):
Unsachgemäß angebaute und schwere, alkohol- und
extraktreiche Weine können größere Mengen höherer Alkohole
und Aromastoffe enthalten. Deshalb sollte, wenn Weine nicht
schädlich auf den Organismus wirken sollen, das tägliche
Quantum nicht wesentlich überschritten werden: eine Flasche von
einem einfachen Wein oder eine halbe Flasche eines gehobenen oder
eine Viertelflasche eines ausgelesenen Weines. In diesen Mengen
sind die toxischen Stoffe gesundheitlich unbedenklich.
Glyzerin ist heute fast jedem
bekannt und wirkt sicherlich etwas abschreckend auf den
Weingenießer. Dabei ist das Glyzerin ein wichtiger und
sinnvoller Bestandteil des Weins. Seine wichtigste weinchemische
Eigenschaft ist die hohe Viskosität, also seine ölige
Beschaffenheit, die einen vollmundigen Geschmack vermittelt.
Glyzerin ist ungiftig und in reinem Zustand eine farblose,
sirupähnliche Flüssigkeit. Es macht den Wein rund, trägt zu
Körper und Fülle bei und vermittelt eine leichte Süße. Im
Wein ist es als Nebenprodukt der alkoholischen Gärung in Mengen
von etwa 6 bis 10 Gramm pro Liter enthalten. Beeren- und
Trockenbeerenauslesen formen schöne Bögen an der Wand des
Glases, da der Botrytis-(Edelfäule)Pilz, der diesen Weinen ihren
besonderen Charakter verleiht, schon in den reifen Trauben
Glyzerin bildet.
T I P
Glyzerin kann man sehr einfach im Wein erkennen. Wertvolle
Weine, das heißt die höheren Qualitätsstufen, lassen nach dem
Schwenken im Weinglas schwere Tränen hinunterrollen, die sich in
Gestalt schmaler oder breiterer sogenannter
"Kirchenfenster" ausformen.
Dieses Phänomen kann durchaus als zuverlässiger Hinweis auf
den Extraktreichtum des Weines gelten, denn die Konsistenz des
Weines läßt Rückschlüsse auf seine Qualität zu. Bei der
Beurteilung der Weinkonsistenz ist daher zu beachten, daß der
Eindruck durch nachlässig gespülte Gläser verfälscht werden
kann. Durch Behandlung mit zuviel Spülmittel wird die
Oberflächenspannung beseitigt und die Schlierenbildung
verhindert.
Medizinisch bewirkt Glyzerin eine Anregung des
Defäkationsreflexes (Stuhlentleerung) und hat eine laxierende
Wirkung (Stuhldrang).
Zucker kommen im natürlichen
Traubensaft als Dextrose und Fruktose vor, welche normalerweise
restlos zu Alkohol vergoren werden. Deshalb sind Naturweine in
der Regel auch frei von vergärbaren Zuckern. Zur Verbesserung
von Qualitätsweinen in weniger guten Jahrgängen ist nach dem
deutschen Weingesetz der Zusatz von Saccharose, also Rohr- oder
Rübenzucker, erlaubt. Grund des Zusatzes ist jedoch weniger der
Wunsch nach einem höheren Süßegehalt, sondern vielmehr will
man dadurch die Anreicherung des Alkohols erreichen. Nach der
Gärung soll deshalb auch keine Saccharose mehr nachgewiesen
werden können. Ist dies dennoch der Fall, wurde der Wein
verfälscht. Allerdings hätte auch eine solche Verfälschung
keinerlei negative Auswirkung auf den Organismus.
Auslesen, Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen verdanken ihre
besondere Art dem Befall der Beeren durch den Schimmelpilz
Botrytis cinera. Dieser Pilz durchlöchert bei neblig-feuchtem
Wetter die Beerenhaut. Dadurch verdunstet bei warmen Temperaturen
daß Wasser aus den Beeren, und die Beeren schrumpfen zu
sogenannten Trockenbeeren mit konzentriertem Most zusammen. Der
Zuckergehalt in den entstanden "Edelbeeren" erhöht
sich bis auf 350 Gramm pro Liter. Bei den Trauben der süßen
Sherry-Weine (Pedro Ximenez) werden die reifen Beeren auf
Bastmatten in der Sonne getrocknet, so daß der größte Teil des
Wassers in den Trauben verdunsten kann, und eine ähnlich, meist
aber noch höhere Konzentration an Restzucker in der Beeren
verbleibt.
Säure prägt den Charakter
des Weines entscheidend, sie gibt ihm Leben und Rückgrat und
vollendet den Geschmack. Wein enthält zahlreiche Säuren in sehr
unterschiedlichen Mengen. Ein "saurer" Wein ist
ungenießbar und kratzig, aber ein Wein, dem es an Säure fehlt,
wirkt schlaff, ausdruckslos und fade. Zudem schützen die
verschiedenen Säuren den Wein vor einem bakteriellen Verderb und
erhöhen damit seine Lagerfähigkeit.
Der Säuregrad ist von Wein zu Wein unterschiedlich und wird
maßgeblich von der Traubensorte, dem Jahrgang, der
Bodenbeschaffenheit, der Erntemenge und dem Erntezeitpunkt
beeinflußt. Die deutschen Weine zeichnen sich gegenüber den
meisten anderen Weinen der Welt durch ihre fruchtig- und
spritzige Säure aus. In der Regel soll der Säure-Promille-Wert
etwa ein Zehntel des Mostgewicht-Wertes betragen.
Beispiel: Ein Riesling Kabinett aus Most mit 70 Grad Oechsle verträgt 7,0 Promille Säure, um ausgewogen zu sein.
Der Säuregehalt in einem gesunden Wein bewegt sich von
einigen Gramm bis zu kaum nachweisbaren Säurespuren. Zuviel
Säure beeinträchtigt nicht nur den Geschmackseindruck, sondern
ist für viele Weintrinker auch unbekömmlich.
Bei den meisten Weinen findet man einen pH-Wert zwischen 2,8 und
3,8. Dieser ist sogar im Magen während des Verdauungsprozesses
nachzuweisen. Weine aus südlicheren Anbaugebieten sind in der
Regel säureärmer. Ihnen wird oftmals - erlaubterweise - zur
Geschmacksunterstützung und zur Verbesserung der Lagerfähigkeit
Wein oder Zitronensäure zugesetzt.
Die sonst im Wein enthaltenen nichtflüchtigen Säuren machen den überwiegenden Teil der Gesamtsäure aus und lassen sich unterteilen in Weinsäure, Äpfelsäure, Milchsäure, Zitronensäule, Bernsteinsäure, Schwefelsäule, biogene Amine und Gerbstoffe.
Tannin (Gerbstoff) als
wesentlicher Bestandteil vor allem des jungen Rotweines wird im
ersten Moment am Gaumen als herb, trocken und zusammenziehend
empfunden. Tannin stammt aus den Traubenstielen, Beerenschalen
und Kernen sowie aus dem Holz der Weinfässer.
Die Gerbstoffe spielen aufgrund der verschiedenen
Verarbeitungsmethoden und Geschmacksarten bei Rot und Weißweinen
eine sehr unterschiedliche Rolle. Im Gegensatz zum Weißwein, der
so schnell wie möglich gekeltert und erst dann vergoren wird,
bleibt bei der klassischen Rotweinbereitung der Most einige Tage
mitsamt der Maische (das ist die Masse aus gemahlenen,
zerquetschten Trauben) im Gärbottich, damit die Farbstoffe aus
den Beerenschalen in den Most übertreten können. Dabei gelangen
zwangsläufig auch Gerbstoffe in den Wein, was aber keineswegs
ein Fehler sein muß, im Gegenteil. In kräftigen Rotweinen sind
Tannine in gewissen Grenzen durchaus erwünscht. Man spricht
sogar von einem Tanningerüst, an dem sich die anderen
Geschmackskomponenten gewissermaßen festhalten und emporranken;
ein sehr gehaltvoller Rotwein ohne die herb-rauhe Note der
Tannine wirkt leicht allzu bombastisch und alkoholbetont. In
leichteren Weinen sind Tannine allerdings keine Bereicherung.
Kohlensäure entsteht
einerseits bei der alkoholischen Vergärung von Zucker in
gleicher Molmenge wie Äthylalkohol, andererseits auch beim
biologischen Abbau der Äpfelsäure. Durch Alkohol wird sie
dreimal stärker gebunden als durch Wasser. Dies ist der Grund,
warum alkoholreiche Weine einen höheren Gehalt an Kohlensäure
aufweisen.
Die Kohlensäure verleiht dem Wein Frische und Spritzigkeit.
Medizinisch gesprochen führt die Kohlensäure im Wein zu einer
Weitstellung der Gefäße im Magen-Darm-Bereich. Diese bewirkt
eine beschleunigte Resorption sowie Verteilung im Körper und
eine schnellere Erhöhung der Alkoholkonzentration im Blut.
Mineralstoffe und Spurenelemente:
Die Zusammensetzung und Menge der im Wein enthaltenen
Spurenelemente wird in erster Linie bestimmt durch die
Traubensorte, die Lage, die Bodenbeschaffenheit, die
Klimaumstände, die Witterung und letztendlich natürlich durch
den Reifegrad der Trauben.
Mineralstoffe und Spurenelemente wirken im menschlichen
Organismus nur in gelöster Form, und das dann auch nur in
Wasser. Der Wasseranteil beim Wein beträgt etwa 85 Prozent, also
850 Gramm in einem Liter.
Mineralstoffe und Spurenelemente sind die Baustoffe für die
verschiedenen Organsysteme und bilden in ihrer Gesamtheit die
Grundlage aller Lebensvorgänge, der Gesunderhaltung, der
Gesundheitsförderung und der Gesundung. Sie gewähren einen
geregelten Stoffwechselablauf: Aufnahme von Nährstoffen aus dem
Magen-Darm-Kanal ins Blutgefäßsystern, Umbau in körpereigene
Stoffe, Abbau zur Energiegewinnung und Ausscheidung von
Stoffwechselschlacken. Außerdem sorgen die Mineralstoffe dafür,
daß der osmotische Druck in den Zellen stimmt.
Schon ein bis zwei Gläser Wein können in beachtlichem Maße zur Deckung des täglichen Bedarfs beitragen. Dies gilt vor allem für Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen sowie für einige Spurenelemente.
Kaum ein Getränk kann die Spannung besser lösen, die Gemütslage stabilisieren und den lebensbejahenden Gleichmut wiederherstellen als Wein. Wein, mäßig genossen, löst seelische Spannungen und mildert vorhandene Ängste. Dabei ist aber ganz deutlich von der Flucht in den Alkohol und dem unmäßigen Weinkonsum zu unterscheiden. Es geht hier eben gerade nicht darum, seine Sorgen und Ängste im Alkohol zu "ertränken", sondern die typischen Streßsymptome mit moderatem Weingenuß zu entschärfen. Drei wichtige Auswirkungen von Streß auf das Herz-Kreislauf-System lassen sich durch einen gleichmäßigen, verantwortungsvollen Weingenuß positiv beeinflussen.
Positive Beeinflussung von Stress durch Wein
1. Streß bewirkt eine stark beschleunigte Herztätigkeit (Tachykardie), die durch mäßigen Weingenuß deutlich verringert werden kann.
2. Streßsituationen führen zu einer Veränderung der Plasma-Lipoprotein- Zusammensetzung. Das Risiko einer koronaren Herzkrankheit wird erhöht. Ein mäßiger, aber regelmäßiger Weingenuß bewirkt hier das Gegenteil.
3. Stress führt durch die Veränderung des Calcium-Spiegels im Blut zu Bluthochdruck. Ein gleichmäßiger und moderater Weingenuß verhindert Bluthochdruck.
Wein kann also für den streßplagten Menschen ein natürliches Beruhigungsmittel sein, wenn er es mit Augenmaß und Verantwortungsgefühl einsetzt. Ein geeigneter Wein verursacht bei jedem Menschen eine wohltuende, leichte Beruhigung.
Wann ist die beste Zeit für ein beruhigendes Glas Wein ? Wein am Spätnachmittag oder am Abend getrunken, hat die beste Wirkung auf die Psyche des Menschen. Schon allein die Gewissheit, am Ende des Tages zu stehen, die Arbeit erledigt zu haben oder zumindest vorübergehend ruhen lassen zu können, signalisiert dem Körper Entspannung, die durch den natürlichen Rhythmus von Aktivität und Ruhephasen noch verstärkt wird. Die beruhigende Wirkung des Weines hängt ab von der Einstellung, mit der man ihn trinkt. Der wohltuende Einfluss von Farbe, Geruch und Geschmack auf alle Sinnesorgane und die Erwartung, dass sich Ruhe und Erholung hinstellen, machen den Wein zu einem entspannungsfördernden Getränk.
Morgendlicher Weingenuss, etwa zu einem Frühschoppen, hat dagegen eher eine anregende Wirkung. Bei den meisten Menschen verlaufen am Morgen, wenn sie ausgeruht sind, alle Lebenserscheinungen lebhafter. Infolge einer Anhäufung von Stoffwechselprodukten tritt in der Mittagszeit eine Müdigkeit ein. Danach steigt die Leistungskurve wieder bis 18 Uhr, ehe die abendliche Müdigkeit eintritt, ein geringes Nachlassen aller Impulse des somatischen Nervensystems.
Wenn man nun am Morgen oder am Mittag Wein trinkt, so wirkt er auf die Nebennierenrinde und damit auch auf die anderen Drüsen der inneren Sekretion anregend; diese werden zu einer Zeit zur vermehrten Arbeit veranlasst, in der sie noch voll tätig tätig, beziehungsweise erschöpft sind. Dadurch setzt eine vorzeitige Ermüdung am Nachmittag ein.
Diese Seite und Kommentare wurden unter Zuhilfenahme und mit freundlicher Genehmigung von Dr.Med. Franz-Anselm Graf v.Ingelheim, aus dem Buch:Heilen und Vorbeugen mit Wein, Falken Taschenbuch-Verlag, ISBN 3-635-60311-2, entworfen.
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